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Del Gobbo, Maddalena


 Kammermusik (instrumental)

Aktuelles Produkt


Maddalena And The Prince


VÖ-Datum:
10.05.2019
Katalognummer:
4818034
EAN-UPC:
028948180349
Konfiguration:
CD
Set:
1
Label:
DG

TRACKLIST

Diskographie


Maddalena And The Prince


VÖ-Datum:
10.05.2019
Katalognummer:
4818034
EAN-UPC:
028948180349
Konfiguration:
CD
Set:
1
Label:
DG

TRACKLIST

Henriette – The Princess O


VÖ-Datum:
30.09.2016
Katalognummer:
4814523
EAN-UPC:
028948145232
Konfiguration:
CD
Set:
1
Label:
DG

TRACKLIST

Viola D’emozione


VÖ-Datum:
06.06.2014
Katalognummer:
4810929
EAN-UPC:
028948109296
Konfiguration:
CD
Set:
1
Label:
ARCHIV

TRACKLIST

Biographie


MADDALENA DEL GOBBO – HENRIETTE

L’amour immortel – Das Leben der Anne Henriette de Bourbon

Versailles, 14. August 1727: Statt eines erhofften Thronfolgers bringt die französische Königin Maria Leszczyńska als erste Kinder ihrer erst jungen Ehe mit König Louis XV. Zwillingsschwestern zur Welt. Die Erstgeborene wird auf den Namen Marie Louise Elisabeth getauft, ihre wenige Minuten später geborene Schwester erhält den Namen Anne Henriette, später Madame Henriette de France genannt. Der siebzehnjährige Vater soll nach deren Geburt ausgerufen haben: „On me disait impuissant et j’ai fait coup double!“  Als die beiden Prinzessinen genau ein Jahr alt sind, stirbt Marin Marais, einer der beiden Großmeister der Viole, wie die Viola da Gamba in Frankreich genannt wird.

Er wirkte seit 1679 als officier ordinaire de la musique de la chambre du Roi und zeichnete somit unter anderem für die Musik in den Privatgemächern des Königs verantwortlich. Da er sich aber 1725 im Alter von 69 Jahren von seinem Dienst zurückzog, konnten die beiden Zwillinge ihn nicht mehr musizierend erleben. In diesem Jahr spielte allerdings Marais‘ Gegenspieler in Versailles, der musicien ordinaire et chantre de la chambre du roi Antoine Forqueray, zum offiziellen Empfang ihrer polnischen Mutter als Königin von Frankreich, und man darf annehmen, das dies nicht das letzte Mal war. 1731 – im gleichen Jahr, in dem Louis Caix d’Hervelois sein drittes Buch mit Pieces de viole, das unter anderem La Montguichet enthält, veröffentlichte – quittierte allerdings auch Forqueray seinen Dienst, so dass die beiden nun vierjährigen Schwestern für ihren Unterricht auf der Gambe auf andere Lehrmeister angewiesen waren. Henriette fand einen solchen im Sohn Forquerays, Jean-Baptiste. Dieser trat 1742 am Hof die Nachfolge seines Vaters an und widmet seiner Schülerin 1747 dessen von ihm herausgegebenen Pieces de viole, die er gleichzeitig auch in einer Bearbeitung für Cembalo in Druck gab.

Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war allerdings alles andere als harmonisch, denn Antoine scheint ein schwieriger Charakter gewesen zu sein. Seine eigene Ehefrau, die Cembalistin Henriette-Angélique Houssu, beschrieb ihn als „naturel violent et emporté“ („gewalttätige und aufbrausende Natur“). Sie reichte 1711 die Scheidung ein, für damalige Verhältnisse ein drastischer Schritt. Antoine schien aus dem Scheitern seiner Ehe keine Lehre für den Umgang mit seinen Familienmitgliedern gezogen zu haben, denn er intrigierte 1715 vermutlich aus Eifersucht und Konkurrenzdruck gegen seinen hochbegabten Sohn Jean-Baptiste und erreichte schließlich, dass dieser in Bicêtre, einem Gefängnis für Geisteskranke, Homosexuelle und sonstige Personen, die als „indésirable“ galten, inhaftiert und in der Folge des Landes verwiesen wurde. Jean-Baptiste, ein Wunderkind, das bereits im Alter von fünf Jahren vor dem König auf der Gambe spielte, konnte nur durch das Einschreiten seiner einflussreichen Freunde wie Jean-Benjamin de La Borde 1726 nach Versailles zurückkehren. Im Vorwort der Pieces de viole schreibt er, dass er die Werke seines Vaters mit Fingersätzen und einem Basso Continuo versehen hat, sowie drei mit einem Stern markierten Sätze in der dritten Suite ergänzt hat, die in den ihm vorliegenden Manuskripten fehlten. Gerade diese letzte Bemerkung scheint ein sprichwörtlicher Wink mit dem Zaunpfahl zu sein, denn sein Vater hinterließ ihm über 300 – heute fast gänzlich verlorene – Werke. Es scheint nahezu ausgeschlossen, dass dieser Nachlass nur vier Stücke in D-Dur enthielt, war dies doch eine der gebräuchlichsten Tonarten auf der Bassgambe. Überdies unterscheiden sich die drei mit Sicherheit von ihm komponierten Stücke, La Angrave, La Du Vaucel (dem Steuerpächter und Musikmäzen Louis-Philippe Duvaucel gewidmet) und die Chaconne La Morangis ou La Plissay (wohl dem königlichen Sekretär Jean Masson de Plissay gewidmet) stilistisch nicht von den angeblich vom Vater komponierten: sie alle weisen die für die Mitte des Jahrhunderts üblichen harmonischen Wendungen auf, wie sie sich etwa in den Werken des mit Jean-Baptiste befreundeten Geigers Jean-Marie Leclair (dessen Frau übrigens die Druckplatten für Forquerays Pieces de viole anfertigte) finden und die denen der vorhergehenden Generation fremd sind. Darüberhinaus wurden in den letzten Jahren einige handschriftlich überlieferte Werke Antoine Forquerays aufgefunden, die kaum etwas mit den gedruckten gemeinsam haben. Was hat Jean-Baptiste wohl dazu bewogen, seine mutmaßlich eigenen Werke unter dem Namen des verhassten Vaters zu veröffentlichen? Wir werden diese Frage wohl nicht mehr klären können, aber der wirtschaftlicher Hintergedanke, den äußerst bekannten Namen des Vaters als Verkaufsmagnet zu benutzen und damit eine gewisse Genugtuung für die erlittenen Schikanen zu erreichen, scheint gerechtfertigt. Jean-Baptiste gibt in den Vorwörtern seiner beiden Musikdrucke wichtige Hinweise auf die Aufführungspraxis dieser Werke. So schreibt er zu den Transkriptionen für Cembalo:

„On en trouvera peutetre quelques une un peu basses. je n’ai voulu y faire aucun changement, non seulement pour en conserver le Caractere mais pour ne pas en renverser l’harmonie, lorsqu’elles seront executées avec la Viole.“  Eine gewisse Vorliebe für das Ausschmücken der Basslinie wird Forqueray 1757 überdies durch eine Bemerkung des Musikschriftstellers Ancelet zugesprochen: „il n’execute jamais la Basse telle qu’elle est écrite; il prétend la rendre beaucoup meilleure par la grande quantité des traits brillants que fournit sa tête“.  Offenbar bestand für Forqueray also durchaus die Möglichkeit, zumindest die linke Hand der Cembalofassung gemeinsam mit der Version für Viola da Gamba auszuführen. Dies wurde in der vorliegenden Einspielung zum ersten Mal in La Du Vaucel realisiert.

Doch kehren wir wieder zurück zu den beiden jugendlichen Prinzessinnen: Louise Elisabeth wurde im Alter von zwölf Jahren aus politischen Gründen mit Philippe von Spanien, dem späteren Herzog von Parma, verheiratet. Ihr Umzug nach Madrid und später nach Parma und die damit verbundene Trennung von ihrer Zwillingsschwester war wohl für diese nicht einfach zu verarbeiten. Henriette scheint Trost in der Musik gefunden und wie ihre jüngere Schwester Sophie einen guten Teil ihrer Zeit auf das Gambenspiel verwendet zu haben. Nur kurz nach diesem schwierigen Abschied folgte der nächste Schicksalsschlag: Die junge Henriette verliebte sich in ihren Cousin Louis Philippe, den Herzog von Chartres und späteren Herzog von Orléans. Wiederum aufgrund von politischen Erwägungen wurde diese Liaison allerdings vom König untersagt und der junge Herzog 1743 mit Louise Henriette de Bourbon, einer weiteren Cousine, vermählt. Das verhinderte Liebesglück scheint das Herz der Prinzessin gebrochen zu haben, denn Henriette blieb zeitlebens unverheiratet. Was ihr blieb war die Gambe, ein Instrument wie dafür geschaffen, die innigsten Empfindungen auszudrücken: „Certes si les instruments sont prisez à proportion qu’ils imitent mieux la voix […], il semble que l’on ne doit pas refuser le prix à la Viole, qui contrefait la voix en toutes ses modulations, & mesme en ses accents les plus significatifs de tristesse & de ioye: car l’archet qui rend l’effet dont nous avons parlé, a son trait aussi long à peu prez que l’haleine ordinaire d’une voix, dont il peut imiter la ioye, la tristesse, l’agilité, la douceur, & la force par sa vivacité, par sa langueur, par sa vistesse, par son soulagement, & par son appuy“.  Dieser bis ins 18. Jahrhundert oft gezogene Vergleich der Gambe mit der menschlichen Stimme stammt aus der Musikenzyklopädie Harmonie universelle, die der französische Universalgelehrte Marin Mersenne bereits 1636 veröffentlichte.

Zweimal wurde Henriette zu Lebzeiten vom Hofmaler Jean-Marc Nattier mit dem Attribut des Feuers porträtiert. Sie ist als Vestalin, als Hüterin des Feuers der Vesta dargestellt: ein Symbol ihrer Jungfräulichkeit. Ob darunter auch eine Anspielung auf ihr Temperament zu verstehen ist, sei dahingestellt. Dass sie sich jedoch in Auseinandersetzungen kein Blatt vor den Mund nahm, wird durch ihre Beziehung zu Madame de Pompadour, der Mätresse ihres Vaters deutlich, die sie wenig schmeichelhaft als Maman putain bezeichnet haben soll. Und obwohl die Heirat kein Hindernis für die Damen war, weiter Musik zu machen, wie Hubert Le Blanc in seiner 1740 veröffentlichten Schrift Defense de la Basse de Viole bezeugt, so scheint doch das gründliche Studium des Instruments und der Musik den unverheirateten Damen vorbehalten gewesen zu sein. Mitunter mag dies ein Grund gewesen sein, warum es Henriette auf der Gambe so weit gebracht hat. Mit 20 Jahren muss die Prinzessin eine hervorragende Gambistin gewesen sein, denn die Werke in Forquerays Buch erfordern eine enorme spieltechnische Leistung und gehören noch heute zu den anspruchsvollsten Stücken, die jemals für das Instrument komponiert wurden. Sie nahm außerdem Unterricht bei François-Joseph de Caix le père, dem Vater einer Lyoneser Musikerdynastie, die sich zeitweilig in Paris angesiedelt hatte. Bis heute ist es ein Rätsel, ob Louis de Caix d’Hervelois mit dieser Familie in Verbindung steht, wie dies sein Name nahelegt. Jedenfalls scheint auch er mit der Prinzessin bekannt gewesen zu sein, da er ihr 1748 sein fünftes Buch mit Pieces de viole widmet und darin die Muzette  der ersten Suite mit dem Titel l’Henriette versieht. Ob die damals üblichen Widmungstitel für Suitensätze diese als eine Art musikalisches Porträt der genannten Personen auszeichnen, ist umstritten, in Anbetracht der Gattungsbezeichnung dieser Werke als Pièces de caractère („Charakterstücke“) aber naheliegend. In einigen Fällen sind die Widmungsträger leider auch nicht ohne Weiteres identifizierbar, so etwa in Caix d’Hervelois La Montguichet. Dieses Stück trägt den Namen eines Schlosses, das etwa 15 Kilometer östlich von Paris gelegen ist, dessen Beziehung zu Caix d’Hervelois jedoch ungeklärt ist. Mit welchen Werken Henriette in ihrem Unterricht darüberhinaus in Kontakt kam, kann nur vermutet werden, doch scheint sie auch die fünf gedruckten Bücher der Pieces de viole von Marais gekannt zu haben, die zum Standardrepertoire vieler professioneller und semiprofessioneller Gambenspieler auch der nachfolgenden Generation zählten, wie die mehrfachen Wiederauflagen bezeugen.

Am 10. Februar 1752, im Alter von nur 24 Jahren, stirbt Henriette an den Folgen einer Pockeninfektion. Ein letztes von Nattier zwei Jahre nach ihrem Tod angefertigtes Porträt, zeigt sie mit der Liebe ihres Lebens: der Viola da Gamba.

© Christoph Prendl

 

Liebes Publikum, zuallererst möchte ich mich für Ihr Interesse an dieser CD bedanken. Die Realisierung dieses Projekts war ein Herzenswunsch von mir. Ich hoffe, ich kann Sie für die faszinierende Person der Prinzessin Anne Henriette von Frankreich begeistern: Eine junge Frau, die in ihrem kurzen Leben und nach fast 300 Jahren immer noch durch ihre Erscheinung und ihr Können auf sich aufmerksam macht.

In einer Zeit, wo Frauen nur in seltenen Fällen außer durch etwas Anderes als ihr Aussehen glänzen durften, war sie eine Virtuosin auf der Viola da Gamba und in ihrer Kunst hoch anerkannt, auch von anderen wichtigen Persönlichkeiten ihrer Zeit. Ihr Lehrer, Jean Baptiste Forqueray, widmete ihr beispielsweise seine Pièces de Viole im Jahr 1747, und auch der Komponist und Gambist Louis de Caix d`Hervelois,  widmete der begabten Prinzessin das fünfte seiner Gambenbüchern.

Zur Programmauswahl kann ich Ihnen sagen, dass meine Bemühungen darin lagen, Ihnen ein Gesamtbild des kurzen Lebens der von Madame Henriette (wie sie auch genannt wurde) zu vermitteln. Daher umfasst das Programm nicht ausschließlich die ihr gewidmeten Stücken, sondern bildet eher eine Momentaufnahme ihrer Epoche, vielleicht ein Stimmungsbild, und erzählt ihre Lebensgeschichte, wie ich sie mir vorstelle, dass ihre kurze Lebenszeit in Musik darstellt.

Deshalb beginnen wir mit der vierten Suite in a-moll aus dem Quatrième Livre de Pièces de Viole von Marin Marais. Das vierte Buch (1717) erschien kurz nach dem Tod des Sonnenkönigs, Louis XIV (1715). Eine neue Ära war angebrochen. Der König, der 72 Jahre regiert hatte, und welcher, wie kein anderer  der Inbegriff des ancien régime verkörperte hatte, war tot. Ein neuer König – noch ein Kind – war plötzlich auf dem Thron, und die Zeiten waren ungewiss. Der neue König war Louis XV, der Vater von Henriette.

Die Prinzessin wurde im Schloss von Versailles geboren und wuchs auch dort auf, das war ihr kleines Universum, mit eigenen Spielregeln und Zerstreuungen.

Die Suite in G-Dur, die aus Stücken des  Troisième Livre de  Pièces de Viole von Marin Marais zusammengestellt ist, versprüht für mich den Zauber, und  die Stimmung des Glanzes und die Eleganz des Schlosses und der Gärten von Versailles. In dieser Musik spürt man, meiner Meinung nach,  reine Schönheit, mit einem Hauch von Melancholie. Nehmen Sie zum Beispiel  nur das Stück La Guitare, und stellen Sie sich vor, Sie spazieren in den Gärten von Versailles und lauschen einem einsamen Gitarristen, der an einem warmen Sommertag vor sich hin spielt, und dabei vielleicht an seine große Liebe denkt. Diese sind die Bilder, die einem beim Hören dieser Musik in den Sinn kommen können, sie erzählen von den Menschen, dem Palast und vor der Natur in Versailles.

Weiter im Programm finden Sie auch die Grand Suite Pour la Princesse, eine frei zusammengestellte Suite, also eine Sammlung von Stücken verschiedener Komponisten, die in meiner Vorstellung eine Art Erzählung des Lebens von Prinzessin Henriettes ergeben. Sie finden Freude, Liebe, Leid und Tränen, abgeschlossen durch eine der ganz großen Chaconnes der Gambenliteratur: La Morangis ou La Plissay von Jean Baptiste Forqueray, als eine Art Epilog oder sogar Apotheose ihres Lebens.

Ich lade Sie ein, kommen Sie mit uns und lassen Sie sich verzaubern von der Musik der Prinzessin Anne Henriette von Frankreich!

Maddalena Del Gobbo



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